Wenn das Büro zum Tonstudio wird …

 Als ich den Anruf von Markus Stromiedel bekam, ob ich mir vorstellen könnte meinen Krimi Spiekerooger Utkieker selbst als Hörbuch einzulesen, war ich zunächst einmal baff. Er habe den Kick Hörbuch-Verlag gegründet, weil er endlich mal die Autoren selbst ihre Werke lesen lassen wollte, mit allen Schwächen, was den gewissen Reiz ausmacht. Wer sonst könne seine Figuren so gut darstellen, wie der Autor selbst?, sagte er noch und dass dieses Projekt unter „Tatort Schreibtisch„ läuft.

Auch ich war sofort begeistert und da ich mir grundsätzlich alles vorstellen kann, sagte ich eifrig zu, bevor er es sich womöglich anders überlegte. Schließlich war ich auf meinen Lesungen oft genug darauf angesprochen worden, dass meine Stimme so angenehm sei und wurde gefragt, ob es ein Hörbuch von mir gäbe. Nun gut, man selbst hört sich ja ganz anders und das wollte ich dann mal glauben. Also, wenn ich jetzt die Chance bekam … musste ich einfach zusagen.

Es dauerte nicht lange, da hatte ich das Profi-Equipment zu mir nach Hause geholt und mich einer ersten Einweisung darin unterzogen. Ich schottete mein Büro ab, hing ein „Auf Sendung„-Schild an die Tür und begann, dem Mikro vorzulesen. Soweit so gut. Die ersten Kapitel hörten sich prima an. Sicher, es gab hier und da Versprecher, die ich mit einem piiiiiiiiiieeeeeep unterbrechen sollte, damit sie auf der Tonspur später sofort gefunden wurden. Speichern nicht vergessen – durchnummeriert – okay, kein Problem. Nichts zwischendurch essen und trinken, das belegt die Stimmbänder. Gut, ich wollte sowieso abnehmen.

Nach Seite 50 wurde es kritisch. Viele Versprecher – Pause. Morgen ist auch noch ein Tag. Der dritte Tag ging gewaltig auf die Stimmbänder. Nur nicht räuspern. Wo ist die Datei vom Vortag? Falsch abgespeichert? Besser nochmal alles anhören. Am Tag vier wurde ich unruhig. Bald war Abgabeschluss. Insgesamt dreihundert Seiten wollten gelesen werden. Meine Stimme hatte nur noch Kraft für zweihundert … bekam ich zu allem Übel auch noch eine Erkältung?

Geschafft! Mit einem Tag Verzögerung lieferte ich ab. Kühlte meine Stimmbänder mit einem Eisbecher XXL und sonnte mich meiner Taten – bis der Anruf vom Soundmaster kam: „Sag mal … wo ist eigentlich die Datei … ? Mittendrin fehlt eine. Kann das sein?„
„Das darf nicht sein!„, krächzte ich.

Doch schlussendlich bekamen wir es alle gemeinsam hin und dürfen uns nun über das Ergebnis freuen. Ab sofort ist er im Handel, der Spiekerooger Utkieker, als Hörbuch-Download, bei iTunes, Lübbe-Audio, Amazon, Weltbild, Thalia … und so weiter …
Ich hoffe, Sie haben auch Ihre Freude daran und lächeln, wenn es mal krächzt oder stockt, weil Sie ja genau wissen, was dahintersteckt.

Ihre Ingrid Schmitz

Tatort Schreibtisch
Kick Hörbuch Verlag 

Amazon
Thalia